"Sehleute" & "Blindfische"

Einige Gedanken zum Umgang mit Sehbehinderten und Blinden

Vielleicht ist auch bei Ihnen schon einmal der Vorsatz einem Blinden über die Straße zu helfen an der Frage nach dem Wie gescheitert. Gehen Sie in derartigen Situationen einfach auf den Blinden oder Sehbehinderten zu und fragen ihn, ob er Hilfe benötigt und wie Sie ihm helfen können.

Wollen Sie einen Blinden führen, ist es nicht immer hilfreich, wenn Sie ihm "unter die Arme greifen". Ein erfahrener Blinder wird mit seiner Hand Ihren Oberarm umfassen und so seine Bewegungen Ihren anpassen. Hindernisse wie Türschwellen, Treppen, Bordsteine sollten rechtzeitig angesagt werden. Die Hinweise sollten kurz und eindeutig sein. Vergessen Sie besonders bei größeren Blinden nicht auch die Hindernisse im Kopfbereich. Wird es einmal eng, so lassen Sie den Blinden hinter sich gehen. Er legt dann seine Hand auf Ihre Schulter oder gerührt Sie am Rücken, um Kontakt mit Ihnen zu halten. Schieben Sie einen Blinden auf keinen Fall vor sich her. Auf Treppen bleibt der Blinde, Ihren Oberarm haltend, am günstigsten eine Stufe zurück. So erfährt er Treppenabsätze und das Treppenende

Wollen Sie einem Blinden beim Einsteigen ins Auto helfen, führen Sie seine eine Hand auf die obere Kante der geöffneten Tür und die andere Hand auf das Autodach über dem Einstieg.

Bieten Sie einem Blinden einen Platz an, so sagen Sie ihm: "Vor Ihnen befindet sich ein Stuhl." Legen Sie seine Hand auf die Stuhllehne, so wird er sich schnell orientieren können.

Beschreibungen zur Lage von Gegenständen sollten für den Blinden eindeutig sein. Eine empfehlenswerte Methode ist oft der Vergleich mit einer Zeigeruhr. Steht zum Beispiel das Bier rechts oben vom Teller, so sagt man: "Das Bier steht zwischen 1 und 2."

Sprechen Sie einen Blinden direkt an, insbesondere wenn er sich in einer Gruppe befindet. Begrüßen Sie einen blinden Bekannten, den Sie nur selten treffen, so erleichtern Sie ihm das Wiedererkennen, zum Beispiel durch Nennung Ihres Namens.

Informieren Sie den Blinden, wenn Sie weggehen. Teilen Sie auch Ihr Kommen mit.

Im Gespräch mit Blinden denken Sie daran, eine gesprochene Antwort zu geben. Ein Kopfschütteln oder Schulterzucken registriert der Blinde nicht. Sprechen Sie mit ihm ganz natürlich - wie mit einem Sehenden. Versuchen Sie nicht krampfhaft Worte wie "sehen", "blind" zu vermeiden. Auch der Blinde sagt: "Den Film habe ich gesehen." Auch einen Gegenstand "sieht" er sich an, obwohl er ihn abtastet. Mitleidsäußerungen sollte man unterlassen.

Man erlebt es oft im Restaurant, bei Behörden oder auch beim Arzt, dass der Blinde als Betroffener nicht angesprochen wird, sondern seine Begleitperson. Blinde sind nicht unmündig; ihnen fehlt nur eine Form der Sinneswahrnehmung! Reden Sie mit Ihm!

Blinde sind "Menschen wie du und ich". Unter ihnen gibt es freundliche, lebenslustige, aufgeweckte, schüchterne, aber sicherlich auch Muffel...Es werden sich die Erwartungen an die "sehende Umwelt", aber eventuell auch Reaktionen auf Hilfsangebote unterscheiden. In keinem Fall sollten Sie Zögern, auf einen blinden oder stark sehbehinderten Mitmenschen zuzugehen und ihm Ihre Unterstützung anzubieten.

 

Links zu den anderen Plattformen

  1. Wegweiser für Blinde und Sehbehinderte im Barnim
  2. Eberswalder Freundeskreis Blinder und Sehbehinderter
  3. Wittigshus